Stell dir vor: Ein Kind, das in der Schule am meisten mit dem Schreiben kämpfte, nicht lesen konnte, Frustrationen erlebte und nie mehr schreiben wollte – gibt heute Schreibworkshops. Dieses Kind war ich.
Frustration pur und diese verdammten Überzeugungen
Als Kind hatte ich eine LRS und das hat mir mein Leben bis vor wenigen Jahren verdammt schwer gemacht. Es war schrecklich in der Schulzeit, gerade in der Grundschule. Wenn ich ein Diktat oder einen Aufsatz zurückbekam, sah ich nur rote Striche. Es gab keine Note, bei so vielen Fehlern ging das nicht.
Ich schielte zu meinen Mitschülern und alle hatten glückliche Gesichter, weil sie erfolgreich waren. Ich fühlte mich dumm. Mit der Zeit schlich sich noch ein weiteres Gefühl ein: dass ich keine Kreativität habe.
Klar musste ich viel mehr arbeiten als meine Mitschüler. Es gab LRS-Förderunterricht, den ich hasste und manchmal schwänzte. Ich musste meine Diktate und Aufsätze nochmals ohne Fehler abschreiben, was mir kaum gelang. Am Abend musste ich mit meiner gestressten Mutter lesen lernen.
Flüssig lese ich erst in der 6. Klasse. Die Lehrer rieten mir: Lies mehr, dann wird sich deine Rechtschreibung verbessern. Im Urlaub kippte der Fiat Panda fast um, da ich so viele Bücher zum Lesen mitnahm. Es half nichts.
Auch im Erwachsenenalter vermied ich es zu schreiben. Purer Stress und Horror, wenn ich E-Mails, Entschuldigungen oder Geburtstagskarten schreiben musste.
Ohne Überzeugungen und Glaubenssätze zum Erfolg
Die Wendung kam durch eine Schreibgruppe, die ich mit zwei Frauen gründete. Ich wollte nicht länger Opfer meiner Überzeugungen und Glaubenssätze sein, die im Schulsystem entstanden sind. Die mich verfolgten bis ins Erwachsenenalter. Ich wollte frei sein wie ein Vogel und aussteigen aus dem „Das kann ich nicht“. In dieser Gruppe konnte ich mich mit meinen Ängsten und Einschränkungen zeigen und niemand verurteilte mich. Ich wurde durch das Feedback bestärkt und es fühlte sich wundervoll weich an, diesem Neuen in mir zu begegnen.
In mir entstand mehr und mehr Vertrauen zu den Buchstaben und Wörtern, die sich in meinem Inneren ausbreiteten und auf das Papier setzten. Am Anfang zögerlich und ich schrieb noch mit angezogener Handbremse. Sehr tief steckten die Ängste in mir. Doch ich schrieb weiter und löste energetisch die Blockaden auf, die sich mir zeigten. Ich wurde immer mutiger und probierte mich aus.
Inspiriert von meinem eigenen Loslassen und vom Überwinden alter Muster, wollte ich anderen Menschen einen Weg der neuen Möglichkeiten eröffnen. So fing ich an, sehr persönliche Schreibworkshops zu geben.
Vor meinem ersten Workshop war ich sehr angespannt und nervös. In mir entstand die Frage, ob ich das überhaupt kann. Was ist, wenn meine Stimme versagt? Wenn die Übungen nicht passen und keiner schreiben mag? In dem Moment, als die Teilnehmer kamen, war ich in meinem Element und die Angst fiel von mir ab.
Höre auf deine Impulse und Ideen
In meinen Workshops darf alles sein, auch wenn jemand nicht schreiben mag. Das muss landet im Papierkorb. Es geht darum, dem Inneren aufmerksam zu lauschen und dies zu Papier zu bringen, was eine Wohltat ist.
Zu sehen, wie sich die Teilnehmer öffnen und ein neues Schreibgefühl entwickeln, lässt mein Herz höherschlagen. Alle gehen erfüllt aus diesen Treffen heraus und nehmen neue Erkenntnisse mit. Verborgene Gefühle können sich zeigen oder ein neuer Fokus auf Geschehenes kann entstehen. Wünsche und Träume, die noch im Verborgenen schlummern, präsentieren sich. Manchmal erkennen sich die Teilnehmer im Text einer anderen wieder und fühlen sich nicht mehr so allein.
Wachse mit dem, was du anbietest
Die Schreibworkshops lassen mich wachsen und ich sehe, wie viel Fantasie in mir steckt. Meine Talente und Fähigkeiten sind aus ihrem Versteck geschlüpft. Ich wachse weiter, mit jedem Workshop kommen neue Ideen und Erkenntnisse. Der Mut wird immer größer und ich traue mich noch mehr in die Welt, nicht nur durch meinen Blog, wo ich viele kreative Texte teile. Eine vermeintliche Schwäche ist zu einer Stärke geworden. Hätte ich mich damals nicht getraut, einen neuen Weg einzuschlagen, wäre ich weiter überzeugt davon, dass ich nicht schreiben kann.
Ich habe bereits viele Ausbildungen gemacht, aber fast keine zum kreativen Schreiben oder dazu, wie ich einen Workshop gebe. So kann ich meine eigenen Ideen einfließen lassen und bin nicht beeinflusst.
Das nächste Wagnis wird, ein Kinderbuch sein, das dieses Jahr erscheinen wird. Den Namen verrate ich schon: Spitzohr und Sternstaub, wird es heißen. Ich bin sehr stolz auf mich, was sich in mir alles gewandelt hat. Wer weiß, wohin meine Reise mich noch verführt.
Einschränkung aufgehoben durch die KI
Die KI hilft mir sehr mit meiner Rechtschreibschwäche. Früher habe ich Freundinnen gefragt, ob sie für mich Texte kontrollieren können, und sie haben es gerne gemacht. Ich fühlte mich unfrei, dachte immer: „Ich kann keine Texte veröffentlichen, wenn jedes Mal jemand drüberschauen muss.“ Jetzt lasse ich meine Texte von der KI kontrollieren, und wenn dann doch noch nicht alles stimmt, so what! Ich bin entspannter geworden mit meinen Fehlern und lege nicht mehr alles auf die Goldwaage. Puh, das tut richtig gut.
Fazit: Warte nicht, bis der perfekte Moment kommt
Wir warten manchmal viel zu lange, bis wir uns trauen, einen Schritt aus den Ängsten zu machen. Wir denken manchmal, erst wenn die Kinder aus dem Haus sind oder ich den richtigen Stift zur Hand habe, werde ich schreiben. Ich werde diesen Text veröffentlichen, wenn er perfekt ist.
Wenn ich darauf heute noch warten würde, gäbe es auf meiner Website keinen Blog und ein Kinderbuch auch nicht.
Wofür brennst du und möchtest es in die Welt bringen?
Fang mit kleinen Schritten an. Lass dich nicht davon abhalten, wenn die ersten Schritte noch nicht so erfolgreich sind. Erfreue dich daran, dass du überhaupt losgegangen bist.
Mein Kinderbuch: Ich habe auf den perfekten Moment gewartet
Noch ein Wort zu dem Buch „Spitzohr und Sternstaub“: Ich habe es bereits vor längerer Zeit geschrieben. Wieso ist es noch nicht gedruckt und veröffentlicht? Weil ich darauf gewartet habe, dass mir ein Kind oder ein Erwachsener Bilder malt. Es ist jedes Mal gescheitert und ich meinte, es noch nicht veröffentlichen zu können.
Ich wollte unbedingt Bilder in meinem Buch haben. Nun werde ich die Bilder mit einer Freundin zusammen malen. Falls es diesmal nicht klappt mit den Bildern, wird es trotzdem veröffentlicht, ehrlich. Ich möchte nicht mehr auf den perfekten Moment warten oder darauf, dass irgendwelche Umstände so oder so sind.
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