Was ist Zeit eigentlich? Eine Macht, die uns antreibt – oder bremst? Ein Geschenk, das wir zu selten ausschöpfen? Ein Gefängnis, aus dem wir ausbrechen möchten? Die Zeit begegnet uns jeden Tag, und doch erleben wir sie so verschieden: Im Urlaub dehnt sie sich aus wie ein langer Sommertag. Im Stress rast sie davon, bevor wir auch nur durchgeatmet haben. Im Alter schleppt sie sich manchmal schwer wie Blei – und manchmal entgleitet sie uns ganz.
In diesen Texten nehme ich die Zeit aus verschiedenen Blickwinkeln unter die Lupe – mal zärtlich, mal schonungslos, mal nachdenklich. Jeder Text ist ein Augenblick für sich. Lass dich einladen, innezuhalten und die Zeit einmal ganz neu zu spüren.
Ein harter Schluck kann es sein
Zeit, eine Macht, die es in sich hat. Mal drängt sie mich, schubst mich von der Seite an.
Mal dehnt sie sich aus, ist nicht auffindbar, lässt mich allein.
Die Zeit, mit einem harten Schluck, spüle ich sie hinunter. Verberge sie ganz schuldbewusst tief in mir. Möchte sie gefrieren lassen, in meiner Hand. Vertrauen, Wärme, Geborgenheit, lassen mich das klamme Gefühl vergessen. Die Hand an meinem Rücken spendet Wärme. Dann ein Klopfen von dieser Freundlichkeit, ein Licht von außen. Die Dunkelheit macht dem Licht Platz. Nun sehe ich die Hand, den Körper, er strahlt mich an. Zieht mich in seine Arme, küsst mich. Ach, es war mein Mann, der mit seiner Herzenswärme meine Not wohl erkannt hat.
Zeit-Wandlung
„Zeit“, schreie ich ganz laut, „lass mich allein!“
Du lässt dich nicht verrücken. Jede Minute gleicht der anderen und doch, fühle ich einen stecknadelfeinen Unterschied.
Bin ich mit mir so ganz allein, schreitest du im Schneckentempo, an dein Ziel.
Erstaunlich, wie du dich dehnen kannst im Urlaub. Bepackt mit Unbekannten, Wandlungen, und schon ist das Gefühl von dir so anders, reizvoll und geschwängert mit Rosenduft.
Ehrlich, Worte fallen mir dazu kaum ein. Ich erlebe dich dort neu. Du kommst mir vor, als hättest du dich versteckt und in präsentierst dich in einem neuen Kleid.
Als bräuchte ich ein Fernrohr, um das Gestern zu sehen. Eine Insel in weiter Ferne, wie ein Vogelschiss, lässt du mich sehen, mein Daheim.
Siehst du, du hast einen vollen Kleiderschrank und ich erblicke dich immer wieder im neuen Outfit.
Den Zeitdieben die kalte Schulter zeigen
Eine Wand, ein Raum, der sich öffnet, mich eintreten lässt. Was befindet sich hier?
Momo, die rückwärtsgelaufen ist, um gegen die Zeit zu laufen. Die Zeitdiebe, so aktuell und sichtbar. Wir laufen und rennen den Momenten davon. Lassen uns nicht einfangen vom „JETZT“. Verloren in uns. Einsamkeit weitet sich aus. Nicht fühlen wollen. Wieder rennen, und doch werden wir eingeholt von den Momenten des Lebens.
Flucht ist sinnlos. Stehenbleiben, durchatmen, einen Augenblick den Fokus nach innen wenden und uns spüren. Berühren lassen vom „JETZT“. Nichts gibt es zu ändern am „JETZT“. Können wir das Zeitlose „JETZT“ ausdehnen, es in uns Raum einnehmen lassen? Der Zeit die kalte Schulter zeigen. In uns wieder den Rhythmus des Lebens finden.
Das Blütenblatt, schwer wie eine Pute
Damals, heute, gestern. Eine Einteilung, ein Abgleich, ein Davonschweben in die Vergangenheit. Schwer kann sie wiegen, wie eine Pute auf der Waage.
Leicht kann sie daherkommen, wie ein Blütenblatt im Wind.
Es liegt an dir, welche Wahl du triffst.
Durch die Zukunft gerannt
Zeit, eine Geisel, die mich eng in ihrem Schraubstock hält. Die mich die Freude, vergessen lässt. Nicht gespürt den Moment. Gerannt mit meinen Gedanken in die Zukunft schon. Vergessen, mich zu begeben in diesen so einzigartigen Augenblick.
Wie wärst du gewesen, du Augenblick, wenn ich dich gespürt hätte und dir meine Aufmerksamkeit geschenkt hätte? Du hättest diese Achtsamkeit verdient!
Es knarzt so sehr im Gebälk
Knöcherig vergeht die Zeit im Alter. Eine alte Frau schreit: „Ich will nicht mehr!“ Und doch füllt sie die Stunden, mit Lesen, Stricken und Spazierengehen. Das Schlafen nicht zu vergessen, da ist sie wohl der Zeit davongeflogen, ihr entwischt.
Sie will nicht mehr, die Zeit hat ihren Körper welk gemacht. Die Knochen knarren und schmerzen an vielen Tagen. Das Alleinsein ist die größte Bürde und das Herz weint so manche Träne.
Doch die Zeit hat kein Erbarmen mit ihr. Sie gibt ihr, Minuten, die zu Stunden werden, zu Tagen, zu Monaten und Jahren. Die alte Frau muss der Zeit gehorchen, obwohl sie keinen Sinn und keine Freude mehr darin empfindet. In den Himmel will sie gerufen werden.
Texte geschrieben am 23.05.2025
Fazit: Wie gehst du mit deiner Zeit um?
Die Zeit ist unser beständigster Begleiter – und gleichzeitig das größte Rätsel unseres Lebens. Wir können sie nicht aufhalten, nicht zurückdrehen und doch: Wir können lernen, anders mit ihr umzugehen. Vielleicht ein bisschen bewusster. Ein bisschen achtsamer. Die Uhrzeit ist ein Konstrukt, das wir uns selbst auferlegt haben – und was wir erschaffen haben, können wir auch neu gestalten.
Diese Texte sind eine Einladung: Halte inne. Spüre, wie du deine Zeit erlebst. Und wenn sich etwas in dir regt – ein Gedanke, ein Bild, eine Erinnerung – dann schreib ihn auf. Denn genau darin liegt die Kraft des Schreibens: Es macht sichtbar, was wir sonst übersehen.
Komm in die Schreibwerkstatt!
Du möchtest selbst über die Zeit schreiben – über deine Zeit, deine Momente, deine Gedanken? In meiner Schreibwerkstatt gehen wir gemeinsam auf Entdeckungsreise. Mit sanften Schreibimpulsen, in einer offenen und wertschätzenden Atmosphäre, finden wir zusammen deine ganz eigene Stimme. Ob du noch nie geschrieben hast oder schon lange schreibst – jede Geschichte ist willkommen. Ich freue mich auf dich! Das Angebot findest du hier: Schreibwerkstatt
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