Es geht um Mut und gleichzeitig um Sichtbarkeit. In mir fallen Worte wie „Ohne Kompromisse in die Sichtbarkeit!“, „Auf der Bühne meines Lebens stehen!“ oder „Im Scheinwerferlicht JETZT“. Aber dies ist nicht mein Weg, der sticht, ist kratzig und tut weh.
Ein Erlebnis vor 3 Jahren hat mich viel gelehrt. Ich stand am Beginn einer Ausbildung zu „Alles zur Selbständigkeit“. Was lag näher, als ein astrologisches Reading zum Thema Selbständigkeit zu buchen? Gespannt wartete ich auf den Termin und wurde bitter enttäuscht. Die Astrologin sagte viel zu meiner Selbständigkeit und es fiel ein Satz, den ich nicht hören wollte. „Es ist noch etwas zu früh für die Selbständigkeit. Die Energien zeigen sich anders. Glaubenssätze dürften noch transformiert werden“, meinte sie. Ich war aufgebracht, ich wollte es nicht hören, Wut stieg in mir hoch. Wir diskutierten eine Weile, bis von ihr die Frage kam: „Wie fühlt es sich an, wenn du jetzt selbständig wärst?“ In mir zog sich alles zusammen und eine Riesenangst stand im Raum.
Die Wut verrauchte, mein Körper gab die Antwort, auch wenn der Verstand tobte.
Heute weiß ich, es wäre eindeutig zu früh gewesen. Ich starte langsam in die Selbständigkeit, die so viel mit Sichtbarkeit zu tun hat, so viel mit dem Glauben an mich selbst. In meinem Rhythmus, in Verbindung mit meinem Herzen und meinem Fühlen. Jetzt bin ich bereit, mich zu zeigen, mit allen Narben. Mutig Neues zu wagen und in das Licht des Lebens zu gehen. Das Wichtigste dabei: „Ich fühle den Ruf.“
Der Weg in die Sichtbarkeit erfordert meinen Mut und immer wieder ein „Raus aus der Komfortzone“. Gleichsam ein zärtliches In-mich-Schauen. Wann ist es zu viel? Mut ist auch, etwas zu lassen, etwas zu beenden, wenn die Kraft erschöpft ist oder ein eindeutiges Nein entsteht. Staunend schaue ich in den Spiegel und wundere mich tagtäglich, woher mein Mut kommt.
Mutig möchte ich meinen ersten Blog veröffentlichen. Egal, ob ich meine, noch zu holprig zu schreiben, zu wenig aus dem Herzen oder was auch immer mir mein Verstand einflößt. Wer sagt, was perfekt ist?
Mutig gehts auf die Bühne
Die Manege ist frei. Die ersten wagemutigen Schritte begann ich bereits Ende 2025. Es entstand in mir der Wunsch, vor Frauen und Männern über meinen Weg in die Sichtbarkeit zu sprechen. Das Spüren war da, aber wie umsetzen? Unsicher begann ich, meine ersten Schritte zu gehen. In Frankfurt habe ich die Toastmasters gefunden. Dort kann ich mich vor einem kleinen Publikum ausprobieren.
Eine Minute kann echt lang sein, wenn du vor einem Publikum sprichst. Bei meiner ersten Stegreifrede über „Ist Authentizität ein Luxus?“ stotterte ich eine Minute herum. Mein Kopf rot und die Fluchttendenz in mir. Überhaupt, was für eine bescheuerte Frage? Nun weiß ich, die Frage kann links liegen gelassen werden. Ich hätte über meine Schuhgröße reden können oder darüber, warum ich meine Wärmflasche so liebe. Erfahrung, Erfahrung, sage ich nur! Mit jedem Auftritt werde ich entspannter, schaue mir Trix ab und probiere aus.
Jetzt bin ich Mitglied und es steht die Eisbrecher-Rede an. Oh Gott, vor dem großen Auftritt graut es mir. Was soll ich überhaupt über mich erzählen? Wen soll es schon interessieren? Mein Mut und ich schauen uns an und ich frage: „Echt jetzt?“
Ich blogge mit
„Ich kann doch nicht schreiben!“ Und wenn nur kreativ und ohne Sinn. „Du weißt doch, Nataly, alles, was du schreibst, ist kurz, weil dir so schnell der Atem ausgeht.“ Manchmal stolpere ich über meinen eigenen Mut. Die Angst erfasst mich und läuft mir kalt den Rücken runter.
Meinen Töchtern erzählte ich von meinem Vorhaben. Die eine fragte: „Ist das nicht veraltet? Was bringt das?“
Für wen blogge ich, ist die große Frage. Klar ist erst mal für mich, dass ich ganz viel lerne und mutiger werde, was das Schreiben angeht. Mir selber zu zeigen, was ich alles kann, mich zum Staunen zu bringen. Ich möchte lernen, meine eigene Schreibstimme zu finden und aus dem „So muss es sein“ raus. Dies kann ich nur, indem ich schreibe und mich dem Prozess hingebe. Das kreative Schreiben hat sich genauso entwickeln können. Die Angstblockaden haben sich aufgelöst.
Gleichzeitig ist da eine weitere Stimme, die sagt: „Ich möchte Menschen inspirieren, mutige Schritte zu gehen, mein Wissen und meine Erfahrungen zu teilen.“
Die kleinen Schritte die so viel Mut brauchen
Stehen bleiben, den Atem spüren, meinen Körper spüren und staunen über mein Sein.
Einen Schritt zur Seite gehen, weil am Wegesrand ein Gänseblümchen seine Pracht entfaltet. Staunen, wie es seinen Weg aus diesem harten Boden fand.
Mutig meinem Gegenüber in die Augen schauen und ihn wahrnehmen.
Mutige Tränen weinen, obwohl ich nicht alleine bin.
Eine Freundin um Hilfe bitten, wenn mir die Last des Lebens zu schwer wird.
Zu tanzen vor Glück im Regen oder im Sonnenschein, durch Wald und Wiesen.
Laut zu tönen, um meiner Freude Ausdruck zu verleihen. Auch wenn die Angst da ist, dass andere mich hören oder dass ich zu viel bin.
Mutig meine Routinen zu durchbrechen und dabei Neues entdecken.
Mutig sein und langsam machen, runter von der Überholspur.
Mut kann sich für dich anders anfühlen und eine andere Bedeutung haben. Manchmal brauchte es viele Anläufe, um mutige Schritte zu gehen. Auch das ist Mut, dranzubleiben.
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