Ein gefällter Baum, ist nichts Besonderes. Und doch hat es etwas in mir berührt. Dieses Schild, dieser Text, dieser dicke Stamm, brachten mein Herz zum Leuchten. Diese Begegnung wurde zu einem Berührungsmoment für mich.
Schlosspark
Ein stinknormaler Tag in meinem Leben, und doch ist dieser eine Moment hängen geblieben. Ich streifte durch den Schlosspark, die Wanderschuhe an den Füßen, die schwarze Tasche quer über der Brust. Die Sonne schien warm auf mein Gesicht, der Reißverschluss meines Mantels war offen. Frühherbst, da konnte ich noch nicht einsortieren, wie warm es wirklich ist. Ich schlenderte durch den Schlosspark.
Dieser ist eine Augenweide, mit vielen alten Bäumen, einem See mit Enten und einer Mini-Insel in der Mitte. Drumherum fühlen sich Trauerweiden, ein Ginkgobaum und anderes Gehölz wohl. Der Blick hoch auf das Schloss, Glückseligkeit pur. Die gelben, weißen und lila Frühlingsblumen, ein Genuss für meine Augen. Ich fühle mich wohl an diesem Ort und suche ihn immer mal wieder auf.
Der besondere Augenblick
Meine Runde führte mich um den See. Etwas Ungewöhnliches sah ich weiter vorn: Ein Baum lag zerschnitten am Boden. Er hatte sein Leben verloren und hinterließ dicke Holzscheiben mit vielen Jahresringen. Ein leerer Raum war entstanden, wo vorher eine dicke Krone seine Pracht entfaltet hatte.

Ich erinnerte mich nicht mehr an die Blutbuche, die dort stand. Ein Schild davor informiert die Besucher, wieso der Baum gefällt werden musste. Es berührte mich, wie liebevoll dieser Text geschrieben war. Es fühlte sich an, als hätten die Gärtner diesen Baum in ihr Herz geschlossen. Als wäre er ein Freund gewesen, den sie jetzt gehen lassen mussten. Das Schild erzählte von der Rettungsaktion vor fünf Jahren, als der Baum das erste Mal erkrankte. Sie hatten alles getan, um ihn zu heilen, es wurde die Spitze gekürzt. Und es schien so, als würde er sich erholen.

Doch plötzlich, letztes Jahr, verlor er seine Rinde, über die sich die Blutbuche ernährt. Sie mussten ihn fällen und waren ergriffen davon. Das hat mich in meinem Herzen berührt, Tränen stiegen in meine Augen. 120 Jahre hat der Baum seine Wurzeln in die Erde gegraben, vielleicht lebt er unter der Erde weiter, wer weiß das schon?
Es entsteht neues
Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass an dieser Stelle ein neuer Baum gepflanzt werden soll, gewachsen aus dem alten. Dafür wurden Reiser geschnitten und es wird versucht, ein Blutbuchenkind zu ziehen. Wenn es gelingt und der Mutterbaum seine Kraft weitergibt, wird es viel Zeit brauchen, damit er genauso stark wird wie die Mutter.

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